2024 Saudi-Arabien/Jordanien/Israel - friendsontour.de

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2024 Saudi-Arabien/Jordanien/Israel

 
Saudi-Arabien Jordanien Israel
Auf den Spuren der Nabatäer
vom 19. bis 30. Januar 2024
Die Nabatäer haben ihre Spuren nicht nur in den antiken Ortschaften Petra (Jordanien) und Hegra (nordwestliches Saudi-Arabien) hinterlassen, sondern auch in der Negev-Wüste. So ist es nur folgerichtig, dass wir auch Israel in die Reiseplanung mit einbeziehen. Der brutale Überfall der Hamas auf israelische Siedlungen im Oktober 2023 und die darauf folgende harte Reaktion des israelischen Militärs lässt die Welt Kopf stehen. Die Spuren der Nabatäer, die sie in Israel hinterlassen haben, werden wir deshalb wahrscheinlich nicht verfolgen können. Trotzdem: Wir lassen die Planungen anlaufen, obwohl wir vieles nicht sicher planen können. Wir wissen nicht, was der Krieg im Gazastreifen alles beeinflusst und was das für uns bedeutet. Sind die Grenzübergänge von Jordanien nach Israel für Touristen geöffnet? Falls ja, rät man uns davon ab, die Grenze zu überschreiten? Wollen wir überhaupt in Israel mit dem Auto unterwegs sein? Wie überall gilt auch hier: „Everything has to be checked in the real world!”
Die erste Hürde nach der Landung in Aqaba ist die Einreise nach Saudi-Arabien. Der Grenzübertritt ist nur in einem lizensierten Taxi möglich. Hinter der Grenze warten wir am Straßenrand auf einen LKW, auf dessen Ladefläche wir in das 260 Kilomenter entfernte Tabuk gelangen können. Doch wir haben nicht ewig Zeit und die meisten LKW scheinen in Richtung NEOM-Baustelle zu fahren. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht und so müssen wir ein Privat-Taxi nehmen.
In Tabuk haben wir schon von zu Hause für ein paar Tage einen Mietwagen reserviert.
Mit dem Mietwagen geht's gen Süden. Ziel sind die imposanten Felsengräber der antiken Stadt Hegra. Auf der Suche nach einem abgelegenen Platz für eine Zeltübernachtung kommen wir leicht von der Piste ab. Die Vorderräder unserer "Nobelkutsche" bleiben hoffnungslos im Sand stecken. Wir beschließen, das Auto, erst wenn es wieder hell ist, aus dem Sand zu bugsieren. Auf einem Felsen neben dem Zelt genießen wir eine ungewöhnlich laue Wüstennacht.
Durch gleichzeitiges Bremsen und Gas geben, versuchen wir am nächsten Morgen die im Sand steckenden Vorderräder ans Laufen zu kriegen. Es klappt auf Anhieb. Mit Hilfe einiger Teppichreste (die liegen direkt neben einem toten Kamel), unserer Muskelkraft und einem erfahrenem Mann am Steuer ist das Auto im Nu wieder fahrbereit.
Das weitläufige Gelände der Weltkulturerbestätte Hegra lässt sich nur mit Bus, Kutsche und Jeep erkunden. Wir entscheiden uns für die Bus-Variante. Die zweistündige Tour ist einer der Höhepunkte dieser Reise. Die Nekropolen von Hegra umgaben einst eine Stadt. An vier Stationen dürfen wir uns die Felsengräber ansehen. Die Fassaden wurden aus dem massiven Fels von oben nach unten behauen, beginnend mit den doppelt abgestuften Zinnen. Viele der Grabfassaden sehen trotz ihres Alters von rund 2000 Jahren so aus, als wären sie gerade erst fertig geworden; sie zeigen kaum Verwitterungsspuren.
Die Maraya Concert Hall soll das größte komplett verspiegelten Gebäude der Welt sein. Fernab jeder Zivilisation steht es in einem flachen Talkessel, mit rundherum aufragenden Sandsteinformationen - ein riesiger Quader in dem sich auf 10.000 Quadratmetern die umgebende Landschaft spiegelt. Die reale Welt verschmilzt mit der Spiegelwelt. Je nach Standpunkt ergeben sich eindrucksvolle Perspektiven. Außerdem strahlt der Spiegelbau durch sein Reflexionsvermögen eine enorme Wärme ab. Dies ist natürlich gewünscht, denn so sparen die Klimaanlagen Energie. Wir können uns wegen der Abgelegenheit nicht vorstellen, wie eine solche Halle wirtschaftlich betrieben werden kann.
Die Oasenstadt Al-’Ula erinnert mit ihrer Pueblo-Architektur an eine Westernstadt. Die Saudis haben hier wahrlich eine Touristenmeile hingesetzt. Restaurants, Cafés, Andenkenshops – ein Laden reiht sich an den anderen. Alle sind sie in restaurierten Lehmbauten untergebracht. Von hier aus starten auch diverse Outdooraktivitäten. Die reichen von Mountainbiketouren über Wanderungen und Kameltrekking bis hin zu Ziplining und Ballonfahrten.
Al-’Ula lag an der Weihrauchstraße auf der das Baumharz aus Südarabien bis ans Mittelmeer transportiert wurde. An einem Stand werden die verschiedenen Sorten des begehrten Stoffes präsentiert man sagt, dass damals Weihrauch wertvoller als Gold war.
Der Elefantenfelsen ist eine weitere Attraktion der Region. Dieser hat zwar keine historische Bedeutung, aber allein das Aussehen reicht den Saudis, um dies touristisch auszuschlachten.
In der Oasenstadt Tayma geht es ausgestattet mit Audi-Guides und einem echten Guide an der Seite durch die verschiedenen Ausgrabungsorte. Das Highlight ist ein Brunnen, der mit seinen 18 Meter Durchmesser der größte auf der arabischen Halbinsel sein soll. Kamele förderten einst das Wasser mit an Seilen befestigten Säcken über hölzerne Umlenkrollen an die Oberfläche. Über ein Rinnensystem wurden der Ort sowie die umliegende Landwirtschaft versorgt. Die ganze Anlage ist vorbildlich restauriert.
NEOM ist ein gigantisches Bauprojekt im Nordwesten Saudi-Arabiens. Es umfasst mehrere Einzelprojekte von denen The Line das Spektakulärste ist: Ein 170 Kilometer langes, 200 Meter breites und 500 Meter hohes, voll verspiegeltes Gebäude, wollen die Saudis in die Wüste setzen. In den Medien wird schon seit einiger Zeit darüber berichtet, aber was ist vor Ort tatsächlich zu sehen? Wir möchten gerne in eines der beiden Visitor Center von NEOM gelangen. Wir hatten diese vorab über Google Maps in den eigens aus dem Wüstensand gestampften Baustellen-Dörfern („NEOM construction villages“) entdeckt. Doch wir scheitern schon am ersten QR-Code-Check mit Gesichtskontrolle. Alles ist geheim und dementsprechend gut gesichert.
Auf einer Straße, auf der fast ausschließlich LKW unterwegs sind, fahren wir entlang der Baustelle. Zahllose Raupen und Bagger werkeln an künstlich aufgeschütteten Bergen, doch einen Blick auf die eigentliche Baustelle, den 200 Meter breiten Aushub, können wir nicht erhaschen.
Zurück in Jordanien zieht es uns zuerst ans Tote Meer. Doch nicht nur das verhangene Wetter ist wenig einladend; das Ufer macht einen schmutzigen und verwahrlosten Eindruck. Überall liegt Müll und die provisorische Dusche ist in diesem Jahr noch nicht in Betrieb gewesen. Wer sich nach einem Bad das Salz abwaschen möchte, muss dafür wohl Trinkwasser aus der Flasche nutzen. Eigentlich wäre schon Saison. Wie wir erfahren, hat das aktuelle Kriegsgeschehen in Israel für eine deutliche Zurückhaltung der Touristen gesorgt. Immerhin lassen sich im Uferbereich schöne Salzformationen entdecken und wir bekommen einen guten Eindruck, wie im Laufe der Jahre der Wasserspiegel wegen des immer geringeren Zuflusses aus dem Jordan gesunken ist.
In der antiken Nabatäerstadt Petra gibt es eine Vielzahl von Grabfassaden auf engstem Raum zu bestaunen. Im Vergleich zu den Nabatäergräbern in Saudi-Arabien sind die Fassaden hier größer und filigraner gestaltet. Die Verwitterungsspuren sind aber viel stärker ausgeprägt.
Wir nähern uns dem Tal von der Rückseite über teils treppierte Pfade durch die steinige Berglandschaft. Auf dem höchsten Punkt hält ein einsamer Teeverkäufer mit wenig Holz sein Feuerchen in Gang. Er klagt uns sein Leid. Seit dem Krieg in Gaza kämen nur noch sehr wenige Touristen, sagt er. Wir trinken Tee und lassen die Blicke schweifen. Nach einer knappen Stunde erreichen wir das Kloster Ad-Deir.
Langsam nähern wir uns dem Zentrum Petras. Über die Säulenstraße, an der byzantinischen Basilika vorbei, laufen auf die Königswand zu (siehe Foto ganz oben). Gepanzerte Militärfahrzeuge erinnern uns an die angespannte Sicherheitslage in diesem Land.
Kurz bevor wir die Felsenstadt durch den zwei Kilometer langen Siq verlassen taucht das unbestrittene Highlight von Petra, das
Schatzhaus, vor uns auf. Wir sind die einzigen Touristen.
Die Wüstenregion des UNESCO-Welterbe Wadi Rum erleben wir entgegen aller Vorhersagen bei bestem Wetter. Auf der Ladefläche eines Geländewagens lassen wir die imposanten Felswände aus rötlichem Sandstein an uns vorbeiziehen.
Nicht weit davon verläuft ein Teilstück der legendären Hedschas-Bahn. Diese führte einst von Damaskus in Syrien bis nach Medina im heutigen Saudi-Arabien und ist eine der großen Ingenieurleistungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Erbaut und betrieben von den Osmanen wurde sie im 1. Weltkrieg das Ziel von zahlreichen Angriffen. Kleinere Gruppen von Beduinen kämpften unter Führung des Engländers T. E. Lawrence (besser bekannt als Lawrence von Arabien) gegen die mit Deutschland verbündeten Osmanen. Den Angreifern gelang es mehrmals Gleise zu sprengen und Bahnstationen anzugreifen.
Durch Zufall erfahren wir von einer Zugfahrt auf dieser historischen Bahnstrecke. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen und werden nicht enttäuscht:
Lange Zeit sind wir unschlüssig, ob wir den letzten Tag unserer Reise mit einem Ausflug nach Israel krönen sollen. Einen längeren Aufenthalt dort mit Besichtigung von weiteren Nabatäer-Relikten haben wir uns schon aus Sicherheitsgründen abgeschminkt. Aber die auf der anderen Seite der Spitze des Golfs von Aqaba gelegene israelische Stadt Eilat liegt verlockend in Sichtweite. Das Passieren der Grenze ist mit deutschem Pass kein Problem, aber dennoch spannend, da wir eine mehrstufige Befragung durchstehen müssen.
Eilat ist eine saubere und moderne, touristisch geprägte Stadt. Überall finden sich blumenbestückte Grünstreifen und hübsch eingefasste Palmen. Vieles erinnert an Kalifornien oder Las Vegas. Großformatige Plakate am Straßenrand mahnen das Schicksal der von den Hamas verschleppten Geiseln an. In einem Strandcafé, das nur zwei Kilometer vom öffentlichen Strand in Aqaba entfernt ist, schauen wir in die Gesichter ganz anderer Menschen! Die Frauen tragen kein Kopftuch, die Männer oftmals eine Kippa. Und der Krieg scheint irgendwie fern.
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